5 praktische Alternativen für Deinen Sprachgebrauch.

Erfahrungen von Yannik Brockhausen zum Thema Sprachmuster.

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere – auch bei der Wahl unserer Wörter, mit denen wir uns tagtäglich ausdrücken. Kleine, unterbewusst ablaufende Routinen entstehen dabei schnell und können uns erhebliche Vorteile bringen:

  • Wir sprechen flüssiger, sodass sich Zuhörer abgeholt fühlen und besser folgen können
  • Wir haben unsere individuellen Begriffe und Floskeln und transportieren so schneller, was wir denken
  • Wir strahlen mehr Souveränität aus, da wir ein eigenes Sprachmuster mitbringen und wecken so besser Emotionen

Doch wie wir es aus unserem Alltag gewohnt sind, schleichen sich hier und dort auch ungewünschte Gewohnheiten ein, von denen wir uns eigentlich trennen möchten, da…

... sie unseren Sprechfluss unterbrechen,
... unsere Einstellung falsch vermitteln
... oder sogar den Inhalt der eigenen Aussage verfälschen.

Beobachten wir uns selbst beim Sprechen und Schreiben können wir manches Muster zwar erkennen, um festgefahrenen Ausdrucksweisen aber nachhaltig den Laufpass zu geben, benötigen wir handfeste Alternativen.

1. ABER

Wir beginnen mit einem absoluten Klassiker, dem „Aber“. Sicher hat jeder von uns bereits den folgenden Satz gehört:

„Nichts, was jemand vor dem Wort „aber“ sagt, zählt.“

Dabei handelt es sich klar um eine Übertreibung. Wie bei vielen Redewendungen ist es die Bedeutung, die spannend ist, nicht deren universelle Gültigkeit. Ein „Aber“ verknüpft zwei Aussagen nicht nur inhaltlich miteinander, es erzeugt auch eine Gegenüberstellung und kann als Bewertung interpretiert werden. Schnell versehen wir neutral gemeinte Aussagen mit einer neuen Bedeutung. War das unsere Absicht?

Das Wetter ist schön. Ich muss noch arbeiten."

Das Wetter ist schön, aber ich muss noch arbeiten."

2. MAN/EINER

Wer ist eigentlich „Man“? Wer ist dieser „Eine“?

Beide Wörter zählen zu den Generalpronomen, alternativ auch unpersönliche Pronomen genannt. Sie beziehen sich auf keine Person und sind nur im Kontext zu verstehen. Trotzdem finden wir sie immer wieder in unserem Sprachgebrauch. Oft sprechen wir, da es uns leichter fällt, vage und unverbindlich. 

„Man kommt bestimmt noch an Karten“ ist viel einfacher nebenbei gesagt als „Ich gucke nach Karten“. Doch Ziele erreichen wir durch Verbindlichkeit und wie wir mit dieser umgehen, spiegelt sich unvermeidlich auch in unserer Ausdrucksweise wider.

3. ÄHM

„Ähm“, „Eh“ und langgezogene Vokale (z.B. „alsoooo“) belegen seit jeher den ersten Platz der beliebtesten Lückenfüller. Der Redefluss muss schließlich immer bestehen bleiben, oder? Ein Trugschluss.

Sprecher, die mit Pausen und gelegentlichen Phasen der Ruhe arbeiten, nehmen wir durchschnittlich als viel angenehmer war. Die Annahme, dass „Ähms“ ein Resultat von Unwissenheit sind, darf daher als falsch betrachtet werden. Viel mehr steckt hinter ihnen das Problem, dass es vielen Menschen schwerfällt, sich und ihren ZuhörerInnen hin und wieder eine Pause zu gönnen. Für Pausen wiederum lässt sich gar nicht genug Werbung machen: In ihnen holen wir Luft, sammeln unsere Gedanken, sorgen für Aufmerksamkeit bei unseren ZuhörerInnen und geben ihnen Zeit, Informationen zu verarbeiten!

4. EIGENTLICH 

„Eigentlich habe ich Lust, heute essen zu gehen.“

„Aber?“

Das wäre die sarkastische, aber zutreffende Gegenfrage. In die Kategorie der Weichmacher fallen Wörter wie eigentlich, quasi, wahrscheinlich und viele mehr. Wir benutzen sie häufig an Stellen, an denen eine Entscheidung ansteht oder wir uns noch nicht sicher sind, boykottieren durch sie aber gleichzeitig unsere Aussage.

„Ich habe Lust heute essen zu gehen.“

„Ok.“

5. KONJUNKTIVE

Der Konjunktiv ist ein echter Motivationskiller! Klar, er entstammt oft der gut gemeinten Intention, unseren GesprächspartnerInnen nicht zu nahe zu treten und ihnen Platz zu schenken. Meistens bewirkt er aber etwas anderes – Wir verstellen uns und unsere Absichten. 

Der klassischste Kontext, in dem wir uns mit dem Konjunktiv selbst einschränken, ist im Vertrieb: „Hätte“, „Könnte“, „Würde“, „Müsste“ entfernen jede Verbindlichkeit aus einer Aussage und suggerieren weder Offenheit noch Transparenz hinsichtlich der Verkaufsabsicht.

Selbstverständlich gilt für den Konjunktiv, was für alle unserer Wortmuster gilt – Wir möchten bewusst auf die Anwendung achten, statt ihn grundsätzlich zu verteufeln. „Schatz, könntest du den Müll rausbringen?“, klingt schließlich wesentlich freundlicher als  „Schatz, bring den Müll raus!“.

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